Die beschwerlichen Anfänge des deutschen Jazz von der Nachkriegszeit bis zu den 50er Jahre

Man kann schon sagen, dass sich deutscher Jazz in vielerlei Hinsichten von der Jazzmusik des Schöpferlandes, den USA, unterscheidet. Doch sie haben eine Gemeinsamkeit, welche sie verbindet: Es war für beide ein steiniger Weg bis sie es in die Ohren ihrer Zuhörer geschafft haben.

Es begann alles mit einer Zeitschrift für Unterhaltungsmusiker, in welcher 1919 zum ersten Mal das Wort „Jazz“ nachzulesen war. Es verbreitete sich schon eine gewisse Neugier unter den deutschen Musikern, doch anfangen konnten sie damit noch nichts. Bis 1920, als die erste Coverversion von dem bekannten Song „Tiger Rag“ von dem Berliner Plattenlabel Homokord produziert und schließlich veröffentlicht wurde.

Interessant ist auch, dass eines der ersten Bücher mit dem Wort „Jazz“ im Titel, geschrieben von Paul Bernhard, aus Deutschland stammt. Er bezieht sich jedoch hierbei lediglich auf einen Tanz.

Der beliebte Jazzpionier Eric Borchard gründete jedoch schon 1919 seine eigene Jazzband, als er aus Amerika zurückkam, wo er eine Zeit lang als Musiker gearbeitet hatte. Anfang der 20er Jahre schaffte er den Durchbruch und spielte seine eigene erste Aufnahme ein, welche durchaus mit anderen Jazzgrößen mithalten konnte. Das Publikum fand Gefallen daran, wodurch einige Trios den Stil aufnahmen und sich auf den Jazz fokussierten. Bei den Tanzorchestern verhielt es sich hier durchaus unterschiedlich. Das von Stefan Weintraub gegründete Orchester beispielsweise und einige Bands verfielen sofort dem Element der Improvisation, wohingegen Marek Weber das Podium verließ, da er nicht wie gewohnt nach konkreten Vorgaben spielen konnte. Jedoch war er leider kein Einzelfall und diese neue Art des Musizierens traf unter den Musikern allgemein eher auf Unverständnis und bloß ein kleiner Teil der Musikbranche konzentrierte sich auf Jazz und fing sogar an, ihn mit anderen Stilen zu kombinieren.

Doch da diese Musikgattung bei einem breiten Publikum Anklang fand und nicht nur als Mode oder Unterhaltungsmusik, sondern als wahrhafte Kunst galt, wurde sie bereits im Oktober 1923 im Berliner Vox-Haus im Radio gespielt. Andere Städte folgten rasend schnell und nachdem Paul Whiteman 1926 einen sensationellen Erfolg zu verzeichnen hatte, gab es Radioprogramme, welche von nun an kontinuierlich live Jazz spielten.

Der Jazz lebte in Deutschland richtig auf und 1930 setze sich dieser Trend immer weiter fort. Doch unglücklicherweise war dieser Zustand nicht von Dauer, denn das NS- Regime verfolgte aufgrund der afrikanischen Wurzeln des Stils und der jüdischen Herkunft vieler Musiker vorerst die Entwicklung dieser Musik. Damit nicht genug fühlten sich die Nazis auch durch die Spontaneität, Improvisation und vor allem durch die Individualität bedroht, denn dies führte dazu, dass der Swing auch reizvoll auf die Jugend wirkte, wodurch sie ihre Weltanschauung massiv in Gefahr sahen. Dies hatte zur Folge, dass das Regime die Ausstrahlung der Jazz Musik im Rundfunk letztendlich verbot, wobei sie selber durchaus nicht davon abgeneigt waren. Im Gegenteil, einige fanden durchaus Gefallen daran und ersetzen die Texte sogar durch Propagandatexte. Es wurde vorerst kein striktes Verbot für den Jazz generell ausgesprochen, jedoch wurde das Abhören ausländischer Sender, welche Jazz spielten 1939 unter Strafe gestellt. Doch mit Kriegsbeginn wurde ein abruptes Ende der Nationalsozialisten verhängt.

Daher kann man sich wohl sehr gut vorstellen, dass Musikfans ebenso wie Musiker in der Nachkriegszeit nach ungefähr 20 Jahren noch größeren Gefallen an dieser Musikrichtung hatten. Sie waren Neugierig. In den Clubs wurden sich gegenseitig die wichtigsten Platten der verpassten Bewegungen vorgespielt und es wurden direkt eine Menge Konzerte organisiert. Dann war die Zeit des Stillstandes gebrochen – Berlin, Bremen und Frankfurt wurden regelrecht zu Hochburgen des Jazz.

Bereits 1945 produzierte Jimmy Jungermann die erste deutsche Jazzsendung bei Radio München und traf damit ein breites Publikum. Zwischen 1947 und 1956 schuf er die Jazzsendung Mitternacht in München, was wirklich speziell war, denn für Jazz geben die Radiosender generell nicht sehr viel Sendezeit her. Doch von hier an entwickelte sich alles prächtig. Um 1950 herum entstanden sogenannte Jazzkeller und nach fünf weiteren Jahren gab es eine Vielzahl von live Konzerten. Es wurden von der Deutschen Jazz Förderation eigene Tourneen veranstaltet, weitere Bands gründeten sich, der Jazz konnte sich entfalten und es kamen einige Jazz- Größen zum Vorschein sowie Max Greger (1926–2015) und Roger Cicero (1970–2016).

Wäre es nicht so eine einzigartige, vielseitige und zusammenführende Musikrichtung, würden wir in Deutschland heutzutage sicherlich keinen großen Gefallen daran finden. Zum Glück hat sich der Jazz letztendlich doch so positiv entwickelt.

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